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125 Jahre Albert Einstein - Erscheinungsbild
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AUGUST 02 //Für die Ausschreibung der Stadt Ulm wurden zwei Gestaltungsansätze erarbeitet.
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GEDANKEN ZUR GESTALTUNG >
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Das Projekt wurde im Sommer 2002 in Zusammenarbeit mit dem Graustich - Büro für Gestaltung in Heidenheim realisiert.

"2004 hat der große Wissenschaftler, Denker und Lebemann Geburtstag und Ulm feiert. zu diesem Anlaß wurde ein Wettbewerb zur Entwicklung des Erscheinungsbildes "125 Jahre Albert Einstein" ausgeschrieben. der Graustich entwickelte zusammen mit dem Gestalter Chris Pollak eine visuelle Identität, welche die wichtigste Grundlage zur Entwicklung einer medienübergreifenden Kommunikationsstrategie, rund um die von der Stadt Ulm geplanten Veranstaltungen im Jahre 2004, bilden soll. darüber hinaus kann sie als Ausgangspunkt eines langfristigen Corporate Identity Prozesses zur Identifizierung der Wissenschaftsstadt Ulm dienen. um die Identität und die Integrität aufrecht zu erhalten wurde eine Übersicht über die einzelnen Gestaltungselemente erarbeitet aus denen sich das System zusammensetzt. diese Übersicht sollte helfen die visuelle Identität präzise und konsequent zu reproduzieren und zu pflegen."

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Gestaltung eines Erscheinungsbildes anläßlich des 125-jährigen Geburtstages von Albert Einstein.

"Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig: Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen." Albert Einstein

Wer kennt sie nicht, die Bilder des verwirrten Professors mit Wuschelkopf. Ein alter Mann mit schäbigen Klamotten, wie er Violine spielt, physikalische Formeln an die Tafel kritzelt oder einfach nur die Zuge herausstreckt. Er gilt als die Verkörperung von Genie und Wahnsinn. Der pure Intellekt der durch gnadenlose Vermarktung in Tausenden Werbekampagnen und Filmen zur Klischee-Comicfigur verkommen ist. Der Mensch mit so vielen Facetten wird uns leider viel zu oft als so simple Gestalt präsentiert.

Mit minimalsten formalen Mitteln läßt sich also diese Ikone des 20. Jahrhunderts darstellen. Albert Einsteins äußeres bietet die perfekte Vorlage für ein einfaches und prägnantes Erscheinungsbild. - Langweilig - und zudem gegen seine Natur, denn der Rummel um seine Persönlichkeit war ihm Zeit seines Lebens unangenehm. Und was heißt hier eigentlich einfach?
"Mache die Dinge so einfach wie möglich - aber nicht einfacher.", sagte Albert Einstein einmal. Selbst ein einfaches Wort wie einfach ist einfach relativ.

Apropos: Einsteins Theorie zur Relativierung und Objektivierung der Begriffe Raum und Zeit erstreckt sich auf alle Vorgänge von kleiner und großer Natur, von den Atomen angefangen, bis zu den Bewegungen der Himmelskörper. Die Relativitätstheorie (e=mc2) hat nicht nur in den Naturwissenschaften ein neues Weltbildes geprägt. Im Gegensatz zu seinen wissenschaftlichen Kollegen sprach er sich gegen die Priorität des Beobachtbaren und des Meßbaren aus und steht seither für die Theorie des relativen Raumes, bzw. Bezugssystems. Absolute Systeme wurden somit in Frage gestellt.

Wenn Systeme abhängig vom Standpunkt sind, wie ist dann mit einem vordefinierten gestalterischen Regelwerken umzugehen? Sind die "Gestaltungsrichtlinien zum visuellen Erscheinungsbild der Stadt Ulm" ein absolutes oder ein relatives System? Wie hätte sich Albert Einstein verhalten, wenn er nicht Physiker sondern Gestalter geworden wäre? "Wenn man nicht gegen den Verstand verstößt, kann man überhaupt zu nichts kommen." sagte der, der all seine Entdeckungen nur durch Grübeln und Nachdenken gemacht hat, ohne praktischen zu experimentieren. Ist Störung als gestalterisches Mittel erlaubt? Um innovative Ansätze zu generieren müssen Prinzipien und Muster zu einem relativen Bezugssystem werden. Es entsteht ein relatives Erscheinungsbild. Na also, der Paradigmawechsel in der Gestaltung von visuellen Identitäten wurde schon Anfang des 20. Jahrhunderts eingeleitet. Und zwar durch Albert Einstein und seine Relativitätstheorie.

Zwar verließ Albert Einstein Ulm bereits im stolzen Alter von 2, doch begegnet man ihm auch heute noch überall. Die Stadt, in der Einstein geboren wurde, ist bestrebt seinen Geist hier weiterleben zu lassen. Ulm, die Volkshochschule, die HFG, die Menschenkette, ect. Aber auch die Universität, die Innovationsregion oder die Wissenschaftsstadt. Albert Einstein ist überall. In der Zeit seit seiner Geburt in der Bahnhofstrasse 20 identifiziert sich der Raum Ulm immer mehr mit seinem berühmten Sohn.

Moment. Zeit, Raum. Absolut oder relativ? Sind 125 Jahre viel oder wenig? Sind es wirklich 6447 km von Ulm nach Princeton? Ist im Jahr 2005 alles vergessen? Welche Bedeutung wird diesem Jubiläum "eingeräumt"?

Zeit und Raum hat die Teilnahme an diesem Wettbewerb gekostet. Die Ergebnisse sind relativ zufriedenstellend. Das ist unser Standpunkt.

"Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorne herein ausgeschlossen erscheint." Albert Einstein

Das Projekt entstand im Juli 2002 in einer Kooperation mit Graustich- Büro für Gestaltung Es wurde leider niemals verwirklicht. Bei der Ausschreibung der Stadt Ulm im August 2002 entging das Projekt nur knapp einem Preis. Die Jury aus Stadtvätern und Ulmer Gestaltern entschied sich dann doch für eine konventionelle Lösung, die auf dem absoluten Bezugsystem "Gestaltungsrichtlinien zum visuellen Erscheinungsbild der Stadt Ulm" aufbaut. Für ein relatives Erscheinungsbild war die Zeit wohl noch nicht reif. Die Idee war gut, aber die Welt noch nicht bereit.
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chris@chrispollak.com
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